Die Blume, die ein Schmetterling werden will  



Es ist nicht so leicht für eine Blume, ein Schmetterling zu werden, wie manche vielleicht glauben.

Aber jammern nützt ja nichts, wenn die Blume fliegen und flattern will, muss sie zur Raupe werden, was schon ein Kunststück ist, und dann sich selber auffressen, und damit hat die Blume ein Problem, wer hätte das nicht. Das Kauen und Beissen liegt ihr gar nicht, sie ist sich eine elegantere Nahrungsaufnahme gewöhnt, Stichwort Fotosynthese. Und dann muss die Blume lernen, sich zu bewegen, weil sie ja ihr Leben lang nur rumgestanden ist, und jetzt hat sie diese vielen Beine und muss den Bauch vor sich herschieben. Alles neu für die Blume.


Aniflur 2019 (Ausschnitt)


Warum sie trotzdem ein Schmetterling werden will?

Es sind die Blütenblätter, die darauf drängen. Sie sagen, ihre Blätter ständen den Flügeln der Schmetterlinge in nichts nach, was Feinheit, Leichtigkeit und Farben betreffe. Da haben sie wohl recht.

Was allerdings den Namen angeht, will die Blume sich noch was einfallen lassen. Schmettern tut vielleicht eine Trompete, sagt die Blume, oder Polo Hofers Schmetterband, aber nicht so ein luftiges, lautloses Ding wie der Schmetterling, der schwerelos schwebt und segelt.