Unschlagbare Weisheiten II



Aristoteles, der vollbärtige Jahrhundertdenker, fand heraus, dass Frauen deshalb keine Glatze bekommen, weil sie ein kindliches Gemüt haben, sprich ihr Leben lang Kindsköpfe bleiben. 

Er fand auch heraus, dass Frauen weniger Zähne als Männer haben. Was den englischen Philosophen Russell zur Bemerkung verleitet haben soll, dass Aristoteles den Fehler hätte vermeiden können, wenn er seiner Frau ab und zu erlaubt hätte, den Mund aufzumachen.

Es gibt von Aristoteles auch sonst noch bahnbrechende Erkenntnisse über die Frau, zum Beispiel, dass sie für einen Fötus nicht viel mehr als eine Nährlösung ist, denn der männliche Samen enthält schon alle Erbanlagen für den perfekten Mann. Frauen werden nur geboren, wenn bei der Zeugung etwas schiefgeht: Die Frau ist gewissermassen ein missglückter Mann. Eine Missgeburt. 


                                 Sophie


Dem hatten unsere grossgeistigen Mönche und Kirchenväter nichts wirklich Wichtiges mehr hinzuzufügen, ausser vielleicht, dass die Frau doch etwas vererbt, nämlich die Erbsünde (Eva ist schuld). 

 

Das hat sie aber nicht davon abgehalten, weitere Seltsamkeiten auszutüfteln. 

Albertus Magnus (1200-1280), auch er ein ausgewiesener Jahrhundertdenker, entdeckte zum Beispiel, dass eine Frau mehr Flüssigkeit enthält als ein Mann. Den Grund dafür fand später sein Schüler Thomas von Aquin: Schuld sind die feuchten Südwinde!

Die feuchten Südwinde bewirken, dass Menschen mit grösserem Wassergehalt entstehen, sagt Thomas, also Frauen statt Männer.

Und mehr Wassergehalt bedeutet mehr Geschlechtslust, das liegt auf der Hand, darüber müssen wir nicht diskutieren. Und diese Geschlechtslust wiederum ist ein weiterer Defekt der Frau. Die Frauen können nicht widerstehen, wie man immer wieder feststellen kann! Und warum? Weil sie weniger Geisteskraft haben! Und weniger Geisteskraft haben sie, weil sie Frauen sind, und Frauen sind sie wegen der feuchten Südwinde und weil bei der Zeugung etwas schief gegangen ist. Und die Erbsünde vererben sie, weil Eva einen Apfel gegessen hat.

 

Also alles in allem hätten die hochgeistigen Kirchenväter gerne auf die Frauen verzichtet, aber ohne Frauen gibt es nun mal keine Kinder* und in der Bibel steht: Gehet hin und mehret euch. 

Kein einfaches Problem für die scharfsinnigen Gelehrten.

Aber es war nun mal ihr Job, Probleme zu lösen, auch wenn sie unsinnig waren. Sie taten das meistens mit noch grösserem Unsinn. 

Und sie bemühten sich, bis ihre kahlen Köpfe rauchten.

Der oben genannte selber fast schon kahlköpfige Albertus Magnus (Tonsur), fand auch heraus – vielleicht durch Intuition, vielleicht durch ausgedehnte Feldversuche –, dass man durch häufigen Geschlechtsverkehr schneller eine Glatze kriegt, denn durch den Verkehr, das ist ja klar, trocknet und kühlt man aus (und die Männer sind ja schon trockener als die Frauen).

Womit er die haarige Theorie von Aristoteles ergänzte. 

 

*Die Griechen waren da schon weiter. Athene wurde von einem Mann geboren, vom Obermaker Zeus persönlich, es war eine Kopfgeburt. Zeus hat nicht immer mit dem Kopf geboren, Kopfgeburten verursachen zu viel Kopfweh. Dionysos zum Beispiel hat er aus seinem Schenkel geschnitten. 


Sophie


Eine Glatze ginge ja noch (ausser, dass einem alle ansehen, dass man zu viel Geschlechtsverkehr hat), aber zu viel Verkehr, sagte Albert der Grosse, verdünnt auch das Gehirn, schwächt die Augen und führt zu frühem Tod. Albert lieferte auch ein Beispiel. Ein Magister hatte ihm erzählt, ein schon älterer Mönch sei heisshungrig zu einer schönen Dame gegangen und habe sie in einer Nacht noch vor dem frühen Morgen 66mal begehrt. Am Morgen lag er dann krank im Bett und ist am gleichen Tag gestorben, kein Wunder, wem wäre es nicht ebenso ergangen. Und weil er ein Adliger war, wurde sein Leib geöffnet und man fand sein Gehirn ganz entleert und zu der Grösse eines Granatapfels zusammengeschrumpft und auch die Augen waren vernichtet. Also wenn noch ein Beweis nötig war, hier haben wir ihn!

(Die Dame hat es offenbar überstanden, na gut, die Frau hat kein Gehirn, also…)

Bleibt die Frage, warum sich Mönche Tonsuren (also künstliche Glatzen) geschnitten haben? Als Hinweis auf ihr kindliches Gemüt? Oder als Hinweis auf die Häufigkeit ihres Geschlechtsverkehrs, sprich ihr geschrumpftes Gehirn? Aber dann wäre eine künstliche Glatze nicht nötig gewesen, die natürliche wäre von selbst gekommen. Nun, das sind irreführende Überlegungen. Richtig ist: Eine Tonsur begünstigt die direkte Erleuchtung; der Kopf ist näher bei Gott, so die vernünftige  Erklärung. Aber Zweifel bleiben.

Dass Sex die Hirnzellen zerfallen lässt, bestätigt auch der engelsgleiche Thomas.

Wir müssen ihm aber nicht unbedingt glauben, auch wenn er der grösste Kirchengelehrte war und ist.

Warum? Weil er es selber nicht glaubte. Gegen Ende seines Gelehrtenlebens hatte der Doctor angelicus eine Vision. Danach sagte er, alles erschiene ihm wie Stroh, was er bisher geschrieben habe… (im Vergleich zu dem, was er eben in der Vision geschaut). 

 

Soviel Unsinn, soviel geistige Verrenkungen. Von Menschen, die viel intelligenter waren als ich.

Da steckt doch was dahinter. 

Und sei es nur der Frauenhass.

Soll man diese Grossgeister deswegen nicht mehr lesen?

Natürlich soll man sie lesen, sofern man die Zeit dafür hat, sie sind ideengeschichtlich sehr interessant.